Interview mit Nina Blum zum Märchensommer

Ich habe Nina Blum, Schauspielerin, Regisseurin, Intendatin und systemische Beraterin getroffen und mich mit ihr über den Märchensommer auf Schloss Poysbrunn, ihre neue Rolle als Mama und über den Flow der Dinge, die sein sollen, unterhalten.

Nina Blum öffnet mir die Türe zu ihrer Wohnung, als ich sie zum Interview besuche und die Sonne geht auf! Töchterchen Elsa sitzt auf ihrem Arm und während Blum noch telefoniert, strahlt mich die Kleine gleich über beide Ohren an. Ich darf sie übernehmen, was sie sich gefallen lässt und wir freunden uns sofort an. Während Mama noch am Telefon ein paar Dinge klären muss, führt mich Elsa durch ihr gemütliches Zuhause, das mir auf Anhieb sehr gut gefällt.
Viele bunte Details, die auf verschiedene Reisen schließen lassen, eine gemütliche Balkon-Oase, tolle bunte Teppiche, die ich alle genauso mitnehmen würde und dieser Schmetterlingshimmel, hat man jemals etwas Schöners gesehen?!
Wir lassen uns sehr gemütlich mit Kaffee, Eis und Erdbeeren draußen nieder, während Elsa auf einer Decke ihre Hin- und Her Roll-Versuche macht.

Liebe Nina, der Märchensommer geht dieses Jahr in die 12. Runde, seit 10 Jahren spielt ihr in Schloss Poysbrunn im Weinviertel. Wie entstand denn ursprünglich die Idee dazu?

Ich habe zuerst Psychologie studiert, gearbeitet als Psychologin, dann habe ich die Schauspielschule gemacht und ein paar Jahre nur gespielt. 2006 mit 33, stand dann aber für mich fest, dass es Schauspielen alleine auf Dauer für mich nicht ist. Ich habe den Unternehmergeist in mir gespürt und wollte was Eigenes machen.

Die Idee zum Märchensommer kam, als ich mir die Kulturszene in Niederösterreich im Sommer angeschaut, und gemerkt habe, dass es kein einziges Kinderfestival gab. So habe ich überlegt, was spannend sein kann für Kinder. Das Thema Märchen war dann auch schnell klar, weil ich selbst Märchen sehr gern habe und finde, dass Märchen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gut funktionieren.

Märchen beinhalten die archaischen Grundthemen vom Menschsein – den Kampf des Guten gegen das Böse, die Suche nach dem Glück. Ich merke, dass das für Erwachsene mindestens genauso spannend ist wie für Kinder. Und das ist auch der Anspruch vom Märchensommer, er soll ein Familienfestival sein. Wir empfehlen es für Kinder ab 4 Jahren bis ungefähr 12 Jahren und für alle Menschen, die Märchen lieben. Es besuchen uns rund 50% Erwachsene und 50% Kinder, aber manchmal auch reine Erwachsenengruppen.

Wie arbeitet ihr, wer gehört alles zum Märchensommer-Team?

Meine Autorin Michaela Riedl-Schlosser ist gemeinsam mit mir auf die Schauspielschule gegangen, sie ist seit 15 Jahren Autorin und gemeinsam haben wir den Märchensommer gegründet. Für Idee und Regie stehe ich. Nur heuer führt erstmals Margit Mezgolich Regie. Wegen Elsa mache ich heuer „nur“ die künstlerische Leitung und Intendanz. Andreas Radovan, verantwortlich für die musikalische Leitung am Burgtheater, schreibt die Musik zu den Stücken.

Bis 2013 wurden immer ganz neue Märchen geschrieben, zum Beispiel „Malanda das Feenland der Träume“, da ging es um den Kampf um die Traumherrschaft, oder „Hex Mex- die Suche nach dem Glück!“ – da gab es ein internationales Hexentreffen, um die ultimative Glücksformel zu finden.

Seit 2014 bearbeiten wir bekannte Märchenstoffe neu, z.B. Alice im Wunderland – neu erträumt, Der Zauberer von Oz, Aladin und die Wunderlampe – neu erleuchtet. Und dieses Jahr „Peter Pan & Tinkerbell“ ein interaktives Wandertheater, das von  6.7. –bis 27.8. in Poysbrunn läuft.

 

Was erwartet einen heuer beim Märchensommer und was bedeutet interaktives Wandertheater?

Interaktiv bedeutet, dass das Publikum immer wieder aufgefordert ist, mitzuraten, mitzutanzen und mitzusingen, was erfahrungsgemäß Erwachsenen und Kindern gleichermaßen gut gefällt.

Beim aktuellen Stück kann man sich an der Kassa entscheiden, welcher Figur im Stück man folgen möchte, man bekommt dann einen Sticker für Captain Hook, oder Peter Pan oder Tinkerbell und kann die 5 Szenen aus verschiedenen Perspektiven erleben. Die 1. Szene ist für alle gleich, aber dann teilt sich das Stück. Man sieht nicht alles, aber man kann natürlich auch mehrmals kommen, um alle Szenen zu sehen. Wir spielen drinnen und draußen und sind so glücklicherweise wetterunabhängig.

Schloss Poysbrunn bietet ein sehr schönes Areal, wir haben ein sehr gutes Catering, und wir laden ein, nach dem Stück im Schlosspark zu bleiben, was von den Leuten sehr gut angenommen wird. Das Stück dauert ohne Pause 1 ½ Stunden, das halten auch die Kleinen gut aus, weil man das Stück durch herumwandert und danach können sie sich im Schlosspark austoben.

 

Der Märchensommer ist zu einer richtigen Institution geworden über die Jahre. Was plant ihr noch?

Es hat sich wirklich super entwickelt und ich bin sehr zufrieden. Zu Beginn hatten wir um die 3000 Besucher und jetzt liegen wir bei fast 12.000 Besucher, was schon der Zenit ist. Es soll keine Massenveranstaltung sein und wir wollen nicht mehr als 300 Besucher pro Vorstellung, um eine gewisse Intimität zu garantieren. Mittlerweile haben wir ein großes Team, alle zusammen sind es sicher 40-50 Leute, die für den Märchensommer arbeiten.

Seit 3 Jahren gibt es den Märchensommer jetzt außerdem auch in Graz. Die Idee entstand dadurch, dass mein Mann Steirer ist und unter der Woche in Graz lebt. Außerdem fanden wir es schade, dass wir die ganzen alten Stoffe nicht mehr verwenden. Wir spielen sie in Graz als Bühnenfassung im Priesterseminar im Herzen von Graz. Von 20.7-20.8. wird dieses Jahr „Alice im Wunderland – neu erträumt“ aufgeführt.

Ab Herbst machen wir erstmals eine eigene Märchensommerwerkstatt, wie eine Art Theaterwerkstatt, geleitet vom Schauspieler Daniel Ogris, der heuer Captain Hook spielt und meiner Choreographin. Nächstes Jahr spielen wir dann „Die kleine Meerjungfrau – neu erfischt“.

Seit ein paar Jahren schaffen wir es, dass bereits im April das Stück fürs nächste Jahr fixiert ist und die Flyer für die nächste Saison schon im aktuellen Programmheft aufliegen.

Du machst irrsinnig viel, der Märchensommer ist ja nur ein Teil davon.

Ja ich habe gut zu tun. Vor 3 Jahren habe ich die Intendanz auf der Rosenburg im Waldviertel übernommen. Da ist am 29.6. Premiere von „Schlafzimmergäste“ mit Elke Winkens, Adriana Zartl, Angelika Nidetzky und vielen anderen. Es ist eine Sommerkomödie für Erwachsene. Außerdem mache ich gemeinsam mit Martin Oberhauser Beziehungskabarett; im Herbst spielen wir wieder in der Eden Bar unsere alten Programme „Sex und Reden“ und „Schlaflose Nächte“; im März 2018 kommt dann im Orpheum in Wien unser 3. Programm „Jetzt oder nie“ heraus.

Ich arbeite auch weiterhin als systemische Trainerin und Beraterin und mache Führungskräfte Seminare, Team und Strategieworkshops und Trainings zu spezifischen Führungsthemen. Wenn ich es erzähle, denke ich mir auch es ist viel, aber es geht und ich habe nicht das Gefühl ich pfeife am letzten Loch.

Und seit Oktober 2016 bist du auch Mutter. Wie hat sich denn dein Leben mit deiner Tochter Elsa verändert?

Ich muss sagen, ich hätte es mir überhaupt nicht so schön vorgestellt. Als Elsa auf die Welt kam, war ich 43 Jahre und wenn du 43 Jahre auf dich allein gestellt bist, bist du natürlich deine Freiheiten gewohnt. Ich dachte mir, das wird mich total stressen, abhängig zu sein von dem Wurm. Aber ich habe mich seit Elsas Geburt noch keinen einzigen Tag eingeengt gefühlt und empfinde es als totale Bereicherung.

Meine Tochter hilft mir sogar, meine Prioritäten besser zu setzen und jobmäßig zu schauen was wirklich notwendig ist und was ich weglassen kann. Sie hilft mir, mir für mich mehr Zeit zu nehmen.

Heute war ich zum Beispiel mit einer Freundin 2 Stunden im Wald spazieren gehen und dann Mittagessen, das würde ich ohne Elsa an einem Donnerstag nicht machen und das finde ich super! Ich bin schon ein Workaholic und arbeite gerne. Ich habe jetzt das Gefühl, dass es sich auf ein gesundes Maß eingependelt hat. Es wird sicher auch wieder stressiger werden, aber bis jetzt kann ich es gut vereinbaren.

 

Wie schaffst du die Vereinbarkeit von Kind und Arbeit? Wer hilft dir?

Ich habe ein gutes Netz, meine Eltern wohnen nur 5 Minuten entfernt und mein Mann fährt wenn es notwendig ist, zu einem Seminar mit oder begleitet mich, wenn eine Premiere ansteht. Für ein paar Stunden habe ich auch Hilfe durch eine Studentin, die auf Elsa schaut, damit ich ab und zu 2 Stunden Zeit für konzentriertes Arbeiten habe. Da ist es viel gescheiter, ich nehme mir jemanden, als ich versuche, es mit Elsa gemeinsam zu machen, und im Endeffekt haben wir dann beide nichts davon.

Ich habe lustigerweise das Gefühl, dass ich noch schneller geworden bin, seit Elsa da ist. Man wird extrem effizient. Die meiste Zeit ist sie aber einfach mit dabei. Mein Bild war immer, ich nehme mein Kind dann einfach mit und dass Kinder einfach dabei sein wollen. Eine ältere Frau hat mir einmal gesagt, ein Kind braucht nicht die permanente Action und Bespaßung, Kinder wollen einfach am Leben teilhaben. Ich lasse Elsa an meinem Leben teilhaben, das ist manchmal eine Besprechung im Kaffeehaus, dann wieder ein Waldspaziergang oder eben, dass ich hier sitze und ein Interview gebe.

Das klingt alles sehr harmonisch und du wirkst sehr glücklich!

Ich bin wirklich sehr dankbar, dass das Leben mir das noch geschenkt hat. Es war für mich der perfekte Zeitpunkt, Mutter zu werden. Ich hätte es vor 10 Jahren nicht so genießen können. Ich hätte noch das Gefühl gehabt, ich muss noch soviel erschaffen und jetzt finde ich es nur schön, das zu genießen was da ist.

Ich habe einige Freundinnen, die sehr früh Kinder bekommen haben, auch das ist toll, die haben jetzt erwachsene Kinder, und genauso habe ich Freundinnen, die keine Kinder haben, und auch das ist gut. Man kann auch ein gutes Leben haben ohne Kind. Aber jetzt, wo ich weiß, wie sich das anspürt, denk ich mir schon, es wäre schrecklich, wenn ich kein Kind hätte!

 

Das ist doch schön, wenn die Dinge sich so finden und es so passiert, wie es sein soll!

Das ist auch so immer mein Lebenszugang gewesen. Ich habe das Gefühl, dass die Dinge die sein sollen, einfach einen Flow haben. Ich habe auch den Märchensommer nicht so gestartet, dass ich da in 12 Jahren ein Festival auf die Beine stellen werde, zu dem 12.000 Besucher kommen sollen. Irgendwas in mir hat gespürt, das soll sein. Die Dinge, die sein sollen bekommen dann auch den richtigen Flow.

Man kann natürlich etwas dafür tun, aber was dann abhebt und sich wirklich manifestiert, ist nur bis zu einem gewissen Grad steuerbar. Das hilft mir auch bei Dingen, die nicht so gut funktionieren, ich denke mir dann, das ist wahrscheinlich gerade nicht das, was wichtig ist. Aber es ist natürlich nicht immer einfach, so zu denken.

Ich liebe die vielen wunderschönen Teppiche in eurer Wohnung und die vielen Souvenirs. Woher stammen sie?

Die haben wir von unseren diversen Reisen mitgebracht. Wir reisen gerne und von 2009 bis 2010 war ich, noch bevor ich meinen Mann kennengelernt habe, von Oktober bis März ein halbes Jahr alleine unterwegs und habe Vietnam, Indien, Nepal und Thailand bereist. Ich habe da viele Familien getroffen, die mit Kind unterwegs waren. Wir wollen wenn Elsa 5 Jahre alt ist, noch bevor sie in die Schule kommt, 5 Monate eine große Reise zusammen mit ihr machen. Zur Zeit sondieren wir gerade, wo es hingehen soll. Jeder von uns darf 5 Länder aufschreiben und dann suchen wir aus.

Aber vielleicht sagt euch ja Elsa dann schon, wohin es gehen soll? ;-)
Danke liebe Nina für den schönen Nachmittag, das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit all deinen Projekten!

MÄRCHENSOMMER auf Schloss Poysbrunn

„Peter Pan und Tinkerbell“

6. Juli – 27. August 2017
Freitag 16:00 Uhr
Samstag und Sonntag jeweils 11:00 und 16:00 Uhr

Dauer ca. 100 min, Kinder bis zum 4. Geburtstag haben freien Eintritt, alle Szenen finden bei Regen uneingeschränkt statt.

 

SOMMERNACHTSKOMÖDIE auf Schloss Rosenburg

„Schlafzimmergäste“ von Alan Ayckbourn

29. Juni – 6. August 2017
Freitag und Samstag 20:00 Uhr
Sonntag 18:00 Uhr
Samstag, 8. Juli abweichende Beginnzeit: 16:00 Uhr

Die Vorstellungen finden bei jedem Wetter statt.

 

BLUM & OBERHAUSER

SEX & REDEN

20.10.2017 – Wien

Schlaflose Nächte

24.11.2017 – Wien

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4 KOMMENTARE
  • Claudia
    Juni 20, 2017

    Ganz tolle Stücke! Ein Familien-Highlight jeden Sommer in Poysbrunn!

  • Birgit
    Juni 22, 2017

    Ich habe Nina einmal auf der Schallaburg gesehen, das war wirklich toll. Wunderschöne Fotos!

    Liebe Grüße,

    Birgit

  • Sandra
    Juli 6, 2017

    Die Schmetterlinge sind ein Traum! Sind das Wandsticker?

    • Isabelle
      Juli 6, 2017

      Das ist eine Tapete! Ich finde sie auch so toll!