Interview: Brigitte & Vida oochi poochi

Kennt ihr oochi poochi? Ein ganz besonderes Label für handgestrickte Accessoires für Kinder. Ich durfte Brigitte Auer und ihre entzückende Tochter Vida zu Hause besuchen und ihr ein paar Fragen zu ihrem Stricklabel oochi poochi stellen. Die beiden wohnen in einem wunderbar inspirierenden Reich! Da gibt es so viel zu entdecken, Souvenirs, Bücher, Stoffe, liebevolle Details und natürlich die kuscheligen Schals und Accessoires, die Brigitte alle mit viel Liebe selbst strickt.

Für mich sind Menschen wie Brigitte, die sich für mich öffnen, Persönliches mit mir (mit uns!) teilen und mir Zutritt zu ihrem Heiligsten gewähren, der Grund warum ich blogge. Diese speziellen Menschen möchte ich aufspüren und sie vorstellen, ihre besondere Arbeit auf eine kleine Bühne heben, die ihnen gebührt, und das würdigen, was sie machen. So viel Persönlichkeit und Geschichte steckt hinter oochi poochi, so viel Interessantes hat Brigitte zu erzählen, ich freue mich, sie euch heute näher vorstellen zu dürfen.

Taucht mit mir ein, in die Welt von Brigitte, Vida und oochi poochi:

Liebe Brigitte, danke, dass du uns einen Einblick in euer Zuhause gewährst. Die Liebe zum Detail ist in deiner Wohnung sofort sichtbar. Ich finde es schön, wenn Menschen nicht wie aus dem Katalog leben und ihre persönliche Geschichte auch im Wohnen sichtbar wird. Was sind deine Lieblingsstücke in der Wohnung?

Hab vielen lieben Dank, ich freue mich, wenn sich Gäste bei uns wohl fühlen!

Ich bin in meinem Leben viel gereist und schon oft umgezogen, habe mehrere Jahre in Hamburg gelebt, längere Zeit in New York verbracht und über viele Jahre eine Fernbeziehung mit meinem Freund, der in London lebt, geführt. Von all diesen Lebensstationen finden sich Spuren in unserem Wiener Zuhause. Lieblingsstücke gibt es da so einige und sie sind alle verbunden mit Erinnerungen, an Menschen, Erlebnisse und Reisen:

Da ist der schwarze Jugendstil-Tisch, der als kleine Schreibecke dient und mein erstes „richtiges“ Möbelstück war. Ich habe ihn bei einem Trödler in Grinzing gekauft, als ich anfing, in Wien zu studieren. Er hat mich bei all meinen Umzügen begleitet und wird immer wieder anders eingesetzt, mal als Küchentisch, mal als Esstisch, mal als Schreibtisch.

Da ist der Spiegel im Vorzimmer (dessen Rahmen mit immer wechselnden Familienfotos dekoriert ist) und die Bilderrahmen, die mein Großvater vergoldet hat.

Die Kohn-Bugholzstühle, auf denen wir jeden Tag beim Essen sitzen, die ich vor vielen Jahren bei einem Trödler im Salzburger Land entdeckt habe und für einen Spottpreis ergattert habe.

Meine kleine Ex-Voto-Sammlung, mit Votivgaben aus Italien, Spanien und Österreich, die ich immer wieder auf Reisen ergänze und leider viel zu selten poliere.

Der alte Wandteppich, der über dem Sofa im Wohnzimmer hängt, in dessen Farben ich mich auf der Stelle verliebt habe, als ich ihn im hinteren Winkel eines kleinen Geschäftes in Luang Prabang in Laos entdeckte und darüber fast vergessen hätte, um den Preis zu fälschen.

Das Porträt der Kaiserin Wu, der einzigen weiblichen Kaiserin Chinas, gemalt von der polnischen Malerin Katarzyna Swinarska, welches ich von einer Reise nach Warschau mitgenommen habe und das einen ganz zentralen Platz in der Wohnung einnimmt. Die Biografie dieser Frau ist zwar einerseits furchteinflößend, andererseits beeindruckend, und ihr Lächeln sowie die Farben dieses Gemäldes haben mich einfach nicht mehr losgelassen. Und so wurde es meines.

Der schreitende Buddha, den ich auf dem Reliquienmarkt in Bangkok gekauft habe (man könnte auch sagen, dass er mich dort gefunden hat, denn man sagt ja, dass die für einen bestimmte Buddhafigur einen findet) und der seine schützende Hand über unserem Haushalt erhebt.

Meine Bücher, für die ich gerade leider sehr wenig Zeit habe, die aber geduldig auf andere Zeiten warten.

Und das mir Wertvollste ist sicherlich das erste Porträt, das meine Tochter von mir gemalt hat und dem sie den poetischen Titel „Mama with ladybird and rose“ gegeben hat.

Seit einem Jahr gibt es nun dein Label ooochi poochi, das mir auf Instagram gleich aufgefallen ist. Wie kamst du zur Strickerei?

Ich stricke schon (fast) mein ganzes Leben lang. Als kleines Mädchen mit sieben Jahren hat mich die Strickleidenschaft gepackt; in meinen Teenagerjahren in den 80ern entstanden unzählige (zum Teil ziemlich schräge) Pullis, und meine Freundinnen und ich haben so manche langweilige Schulstunde mit Stricken verbracht (in einigen Nebenfächern war das erlaubt). Und auch später habe ich, nie ganz mit dem Stricken aufgehört, da es auch etwas sehr Entspannendes hat.

Die „Handwerksgene“ habe ich wohl von meinen Großeltern geerbt und vieles von ihnen gelernt oder abgeschaut: die eine Großmutter war Schneiderin, die andere eine sehr begabte Strickerin und Häklerin, ein Großvater war Vergolder, der andere hat viel gemalt und gezeichnet. Kombiniert mit meiner Leidenschaft für Literatur und Theater, führte meine Begeisterung fürs Handwerk dann zu einem Bühnen- und Kostümbildstudium am Mozarteum in Salzburg. Eine Ausbildung, für die ich noch heute sehr dankbar bin, denn da wurde so richtig nach „alter Schule“ ein sehr breites Wissen und solides Handwerk gelehrt: Theatermalerei, perspektivisches Zeichnen, Fotografie, Kunstgeschichte, Materialkunde, Modellbau und vieles mehr. Nach dem Diplom habe ich dann zwar eine andere Richtung eingeschlagen und Theaterwissenschaft und Philosophie studiert, um nach dem Abschluss den Beruf der Dramaturgin zu ergreifen, aber der Wunsch, einmal wieder meiner „handwerklichen Seite“ mehr Raum zu geben, blieb bestehen.

Was hat dich dann zum eigenen Label inspiriert?

Die „Geburt“ von oochi poochi ist eng mit der Geburt meiner Tochter verknüpft. Als ich schwanger war, habe ich ganz lange gezögert, das erste Stück für die Babyausstattung zu kaufen. Irgendwie erschien nichts das Passende zu sein und mir gefiel der Gedanke, dass das erste Kleidungsstück, das meine Tochter von mir bekommen würde, nichts Gekauftes, sondern etwas von mir selbst Gemachtes sein würde. Dazu kam, dass selbst teuerste Marken so gut wie nie Stricksachen anboten, die ohne einen Anteil von Kunstfaser auskamen. Der Gedanke von Synthetik in Kombination mit zarter Babyhaut behagte mir gar nicht. Und so entstand ein winzig kleiner Kaschmirpulli… und dann folgte ein Seiden-Leinen-Westchen … und dann ein Kaschmirmützchen… und ein Alpakajäckchen… und und und…

Häufig wurde ich auf die Stricksachen meiner Tochter angesprochen und stellte fest, dass immer weniger Frauen stricken können, aber gerne etwas Selbstgemachtes für ihre Kinder haben möchten, da sie den Wert von Handarbeit und Qualität schätzen.

„Sich noch einmal ganz neu erfinden!“

Die Geburt meines Kindes hat mein Leben und nicht zuletzt mich grundlegend verändert, und mich noch einmal auf die Frage zurückgeworfen, was ich eigentlich beruflich machen möchte. Nicht nur sich selbst, sondern auch andere mit Handgestricktem zu verwöhnen und zu beglücken, etwas zu schaffen, das geliebt und weitergegeben wird, war ein Gedanke, der mich nicht mehr losließ, und so fing der Traum vom eigenen Label für handgestrickte Kindersachen zu wachsen an.

Sich noch einmal ganz neu zu erfinden, eine ganz andere Richtung einzuschlagen, ist erst einmal angsteinflößend und den ersten Schritt zu machen, kostet einiges an Überwindung. Nach dem Motto „jetzt oder nie“ habe ich mich dann einfach irgendwann gezwungen, ein Instagram-Konto zu eröffnen. Ich dachte, ich teste mal, ob überhaupt jemand daran interessiert ist, was ich mache, und war ganz überwältigt von dem tollen Feedback. Die ersten Anfragen und Aufträge kamen rein, und seitdem geht es Schritt für Schritt voran.

Woher kommt der Name oochi poochi?

Den Namen oochi poochi verdanke ich meinem Freund und Vater meiner Tochter, der Engländer ist.  Als ich einmal zu ihm meinte: „Kannst du mal etwas Nettes sagen?“, da erwiderte er ohne zu zögern: „oochi poochi“. Seitdem ist das bei uns ein Ausdruck von Zuneigung, Liebe und Fürsorge; wenn unsere Tochter Trost braucht sagen wir „oochi poochi“, oder auch oft anstelle von „ich hab dich lieb“.

Als ich einen Namen für mein Label überlegte, war es schnell klar, dass er unbedingt „oochi poochi“ lauten musste. Es war für mich die perfekte Wahl, weil es etwas sehr Persönliches ist, so wie unsere Produkte, und gleichzeitig unsere Brandphilosophie widerspiegelt, die auf Liebe und Fürsorge beruht: Liebe für unsere Kinder, unseren Planeten, zur Qualität, zur Einzigartigkeit.

Ganz im Vordergrund steht für mich, dass Kinder sich in meinen Stricksachen wohl fühlen sollen, dass nichts kratzt und piekst, nichts zu schwer ist oder einengt. Alle Modelle werden zuerst von meiner Tochter „Probe getragen“, und sie ist eine strenge Kritikerin. Meine Erfahrung ist, dass aus dicker Wolle gestrickte Sachen zwar cool aussehen, Kinder sie aber nicht gerne anziehen, weil sie einfach zu unbequem sind, und deshalb habe ich zum Beispiel keine „chunky“ Modelle in meiner Kollektion.

Wie ich weiß bist du sehr darauf bedacht, nur die beste Wolle auszusuchen, was ist dir noch wichtig bei dem was du tust?

Wenn ich Material auswähle, ist es mein Ehrgeiz, die geschmeidigsten und kuscheligsten nachhaltigen Garne zu finden. Selbstverständlich ohne synthetische Fasern, da mache ich keine Kompromisse. Die von mir verwendeten Garne – Kaschmir, Merinowolle und Bio-Baumwolle –  sind außerdem hypoallergen und können auch von Kindern mit sehr empfindlicher Haut getragen werden.

oochi poochi ist – wie es so schön heißt – „slow fashion“, und das in mehrfacher Hinsicht: Slow, also langsam, ist bereits die Produktion, denn mit der Hand stricken braucht einfach Zeit. Von der Bestellung bis zum Erhalt der oochi poochis dauert es zwei bis vier Wochen. Es gibt kein Lager mit fertigen Stücken, sondern jedes Modell wird auf Wunsch angefertigt.

Unsere Sachen sind großzügig geschnitten und passen daher den Kindern über mehrere Jahre; das ist einerseits gut für die Umwelt und rechtfertigt andererseits, dass man mal etwas mehr für ein Kleidungsstück ausgibt. Es werden ausschließlich hochwertigste natürliche, nachhaltige und biologisch abbaubare Materialen verarbeitet, um umweltfreundliche Produkte von Wert zu schaffen.

Jedes Stück wird aufs Sorgfältigste in Wien designt und handgefertigt. Auf das Label „Made in Austria“ bin ich besonders stolz, und auch mit wachsendem Business soll das so bleiben. Outsourcen kommt für mich nicht in Frage.

„oochi poochis sind dazu gemacht, über lange Zeit getragen, geliebt und weitergegeben zu werden.“

In einer Zeit von Massenproduktion ist es mir mit oochi poochi ein Herzensanliegen, Individualität wieder in den Vordergrund zu stellen. Was oochi poochi von anderen Labels unterscheidet ist, dass unsere Kunden eingeladen sind, sich am Designprozess zu beteiligen. Das heißt, es gibt für jedes Modell mehrere Farben zur Auswahl, und man kann seinen ganz persönlichen Finishing Touch hinzufügen: zwischen Pompoms und Quasten wählen, bestimmen wie viele und in welcher Farbe. So entsteht ein individuell auf den Kunden „zugestricktes“ oochi poochi.  Das ist zeitaufwändig, denn ich berate meine Kunden ausführlich und gehe auch gerne auf Sonderwünsche ein, wird aber sehr geschätzt und macht meine Arbeit noch spannender. Ich bin immer wieder begeistert von den Farbzusammenstellungen meiner Kunden.

Heutzutage wird Kleidung oftmals zum Wegwerfartikel degradiert, daher ist es mir besonders wichtig, etwas herzustellen, das sowohl einen qualitativen als auch einen emotionalen Wert besitzt: oochi poochis sind dazu gemacht, über lange Zeit getragen, geliebt und weitergegeben zu werden. Wenn ich Menschen nur ein wenig dazu bewegen könnte, beim nächsten Einkauf kurz mal innezuhalten und zu überlegen, ob es nicht vielleicht besser wäre, weniger, aber qualitativ Hochwertigeres zu kaufen, dann würde mich das schon sehr glücklich machen. Natürlich bekommt man bei der schwedischen Kette ums Eck für € 50 zehn Teile, aber mal ehrlich, wie viele davon werden an mehrere Generationen von Kindern weitergegeben?

 

Du strickst alles selbst, ich nehme an am Abend. Gibt es Momente, in denen du Wolle und Nadeln nicht mehr sehen kannst? ;-)

Ich gestehe: ich kann vom Stricken nicht genug bekommen. Das ist eine regelrechte Obsession (von der viele berichten, die stricken). Und dazu kommt, dass die Garne, die ich verarbeite, alle so weich und kuschelig sind, dass es einfach eine Freude ist, sie in den Händen zu spüren.

Wenn das Stricken keinen Spaß mehr machte, dann wäre es Zeit aufzuhören, denn ich glaube, das ist wie beim Kochen: Schmecken tut es nur, wenn etwas mit Liebe und Langsamkeit zubereitet wurde, nicht hektisch und mit Unlust. Und so ist das auch beim Stricken; ich glaube fest daran, dass man den Unterschied nicht nur sieht, sondern auch beim Tragen spürt, ob etwas mit Liebe und Passion hergestellt wurde. Stricken ist auch etwas sehr Meditatives und Intimes; ich stricke ja nie einfach nur etwas, sondern immer FÜR jemanden. Das Strickstück lebt einige Zeit mit mir und ich denke beim Herstellen an die/den kleine(n) Kundin bzw. Kunden. Besonders schön finde ich es, wenn ich schon im Vorhinein weiß, wen ich bestricke, also ob es für ein Mädchen oder einen Bub ist, ein Enkelkind, ein Neugeborenes etc.

Zu sehen, wie ein Stück in den Händen wächst und die Vorstellung, dass ich etwas mache, das Teil einer Familiengeschichte und später an andere Kinder weitergegeben wird, ist so ungeheuer befriedigend und erfüllend. Davon werde ich nie genug bekommen.

Um Stücke zu schaffen, die eine Familie über viele Jahre begleiten, ist mir die Ausarbeitung – das Fäden Vernähen, das Anfertigen der Pompoms und Quasten, bis hin zum Falten und Zusammenlegen der fertig gestellten oochi poochis –  besonders wichtig, und ich verwende viel Zeit und Sorgfalt darauf.

Ich bin (noch) ein one-woman business. Gestrickt wird in jeder freien Minute und vor allem am Abend (tagsüber gehe ich meinem „Brotberuf“ nach, und die Wochenenden sind für meine Tochter reserviert); zuweilen stricke ich auch schon am Nachmittag und Vida zeigt großes Interesse an den Stricknadeln, und manchmal üben wir schon etwas „Fingerstricken“ bzw. Stricken mit Hilfe von Buntstiften. oochi poochi ist eben ein richtiges Familienunternehmen. :-)

Du hast das entzückendste Modell, deine Tochter Vida! Auf Instagram kann man sie in deinen Kreationen bewundern. Ich bin beeindruckt, wie sie sich fotografieren lässt. Wie schaffst du es, dass du so tolle Fotos von ihr machen kannst?

Oh danke schön! Kinderfotografen haben meine größte Hochachtung. Da braucht man viel Nerven und Geduld. Man kann und soll nichts erzwingen, und wenn an manchen Tagen mein kleines Modell keine Lust hat, dann ist es besser, es zu lassen und stattdessen Stillleben zu fotografieren. Allerdings hilft es, wenn ich für Vida Geschichten erfinde, sie ablenke, so dass sie ganz darauf vergisst, dass wir Fotos machen. Meistens hat sie aber sowieso richtig Spaß am Fotografieren und macht gerne selbst Vorschläge, wie und wo sie sich positioniert, auf die ich gerne eingehe und meine Erfahrung ist, dass die schönsten Aufnahmen dann entstehen, wenn Vida am „Styling“ mit beteiligt ist. Ich möchte nicht verschweigen, dass auch das Schüsselchen mit Smarties, das als Entlohnung bereitsteht, nicht ganz ohne Wirkung ist…

Bei dir zu Hause sieht man die Liebe zum Detail! Was ist dir wichtig bei Einrichtung und Wohnen, worauf achtest du besonders? Wie fühlst du dich wohl?

Mir sind Materialien, Farben, Texturen und Licht ganz besonders wichtig. Ich bewundere zwar oft Wohnungen, die sich strikt an ein Farbschema halten, ihre Eleganz und Ruhe; ich persönlich fühle mich aber in einer vielfarbigen Umgebung am Wohlsten. Besonders gern habe ich Blau- und warme Rottöne sowie die Farben verblichener Kelims. Dazu ein wenig Weiß, Grau und Taupe als Ruhepole, und ich bin glücklich. Ich schaue darauf, dass wir nur Materialien im Haus haben, die natürlich sind und sich gut anfühlen, z.B. Holz, Baumwolle, Samt, Leinen, Fell.

Ich habe ein großes Faible für Stoffe: Für meine Tochter habe ich aus den von mir heiß geliebten Libertystoffen Polster genäht; auf dem Sofa im Wohnzimmer liegen Kissen, die ich aus dem einen Meter Fortuny-Stoff genäht habe, für den ich als Teenager monatelang gespart habe, bis ich ihn mir endlich in Venedig kaufen konnte und aus dem meine Großmutter ursprünglich ein Jäckchen für mich genäht hatte; im Schlafzimmer habe ich gerade einen Stoff, der von Duncan Grant aus der Bloomsbury Group entworfen wurde, drapiert (irgendwann habe ich vielleicht auch Zeit, daraus einen Kissenüberzug zu nähen) und der mich an einen wunderschönen Sommertag in Charleston House in Sussex erinnert. Stoffe, die ich von meinen Reisen nach Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar und Thailand mitgebracht habe, findet man über die ganze Wohnung verteilt.

„Vintage, Kerzen und Blumen“

Bei uns finden sich viele Dinge und Möbel, die Vintage sind oder Vintagecharakter haben; wenn ich die Wahl habe zwischen alt und neu, entscheide ich mich meistens für alt. Ich liebe Dinge mit Patina und einer Geschichte.

Bei Lampen sollte man nicht sparen, weder bei der Anzahl noch bei der Qualität. Gerade jetzt, in den dunklen Herbst- und Wintertagen, ist ein gemütlich ausgeleuchtetes Zuhause ganz wichtig. Und ohne Kerzen geht sowieso nichts. Derzeit genießen Vida und ich den Herbst in vollen Zügen und essen jeden Tag bei kuscheligem Kerzenschein zu Abend.

Was natürlich nie fehlen darf, sind Blumen. Die machen ein Heim erst zu einem Zuhause für mich. Das müssen gar keine üppigen extravaganten Bouquets sein, sondern da genügen ein paar einzelne Blüten oder Zweige, und ein Raum fängt an zu leben. Der größte Luxus sind für mich Wildblumen. Es gibt nichts Schöneres, als sie zusammen mit meiner Tochter auf einem Ausflug zu pflücken und dann unser Zuhause damit zu schmücken.

   

Die wunderschönen Regalkästen in eurem Schlafzimmer mit Fotos, Souvenirs und Karten für Vida sind mir aufgefallen. Was haben sie für eine Bedeutung für dich?

Diese Aufbewahrungskisten von Bloomingville waren die ersten Einrichtungsgegenstände, die ich für die Babyzimmer-Ausstattung gekauft habe. Mir gefiel gleich, dass man sie sowohl an der Wand befestigen, als auch aufeinanderstapeln oder einzeln für sich stellen kann. Derzeit hängen sie als kleine „Erinnerungsschreine“ in unserem Schlafzimmer. Eine Kollage der ersten Lebensjahre meiner Tochter, vom „Baby on board“ Button der Londoner U-Bahn, den ich als Schwangere trug, bis hin zum Geburtsarmbändchen aus dem Krankenhaus, Geburtstagskerzen und den ersten Ballerinaschuhen. Ich kann mir vorstellen, dass sie in Vidas Zimmer, das ich jetzt plane, zu Nachttischchen und Bücherregalen umfunktioniert werden. Oder vielleicht hat sie Lust, ihre eigenen „Schreine“ zu schaffen.

Brigitte, du bist das, was man heutzutage, alleinerziehend mit Mann nennt. Vidas Papa lebt in London, wie lebt es sich mit Kind in einer Fernbeziehung?

Das ist kein einfaches Kapitel. Vor der Geburt unserer Tochter haben wir schon über viele Jahre eine Fernbeziehung geführt. Und nach der Geburt setzten wir das als unkonventionelles Familienmodell fort. Unsere Tochter wächst zweisprachig auf, besucht in Wien einen zweisprachigen Kindergarten und spricht jeden Tag mit ihrem Papa in London. Wir versuchen, uns so oft wie möglich zu sehen, und in den Sommerferien verbringen wir immer mehrere Wochen in England.

Bei allen Vorteilen, die dieses Modell auch mit sich bringt, von aufregenden Besuchen in London und wunderschönen Reisen, bis hin zur Tatsache, dass man als Paar nicht von Routine aufgerieben wird, tröstet das nicht hinweg über die Tatsache, dass der Papa eben nicht jeden Tag zu Hause ist und dass das häufige Abschiednehmen mit zunehmendem Alter unserer Tochter natürlich immer schwieriger wird.

Umso wichtiger ist es mir, ihr ein Zuhause mit so viel Liebe und Geborgenheit wie möglich zu geben.

 

Was sind denn deine weiteren Pläne für oochi poochi?

In den wenigen Monaten seit der Gründung von oochi poochi ist schon wahnsinnig viel Tolles passiert, wofür ich sehr dankbar bin. Zum einen ist es beglückend, dass es in der kurzen Zeit bereits oochi-poochi-Stammkunden gibt, also Kunden, die bereits mehrmals von mir bestrickt wurden und deren Vertrauen in meine Arbeit mich sehr freut; weitere solche Kundenbeziehungen aufzubauen, steht für mich ganz im Vordergrund.

Besonders stolz bin ich auch auf meine Zusammenarbeit mit Silvia Gattin, mit der gemeinsam ich eine Limited Edition der Biobaumwoll- und Kaschmirschals sowie Pixiemützen in ganz exklusiven Farben entworfen habe, die sowohl in ihrem außergewöhnlichen Geschäft in der Hollandstraße im 2. Bezirk als auch in ihrem Webshop erhältlich sind. Es ist beglückend, mit jemandem zu arbeiten, der mit so viel Leidenschaft und Hingabe bei der Sache ist.

Und es gibt noch einen zweiten Ort in Wien, wo man sich von der Kuscheligkeit unserer Sachen überzeugen kann: Eine Auswahl unserer Kollektion ist im wunderschönen Concept Store Der Affe und der Bräutigam erhältlich.

„Custom-made Service!“

Ich glaube, dass es die richtige Entscheidung war, sich auf Schals, Tücher und Mützen, ergänzt von ein paar Extras wie z.B. unseren Pompom-Haarreifen und Leg/Armwarmern, zu konzentrieren. An Ideen mangelt es nicht, aber fürs Erste wird dieser starke Fokus auf Accessoires weiterhin bestehen bleiben. Lieber weniger, aber das besonders gut machen, ist mein Motto. Was aber nicht heißt, dass da nicht die ein oder andere Überraschung für die Frühlings/Sommerkollektion in Planung ist…

Die kompletten Kollektionen von oochi poochi sowie den „custom-made“-Service wird es auch weiterhin ausschließlich über meinen „Instashop“ geben: Einfach auf unseren Instagram-Account @oochipoochivienna gehen, schmökern und wenn man etwas gefunden hat, ein Email an oochipoochi@gmail.com schreiben. So einfach geht das. Für die Zukunft ist auch ein Webshop angedacht, aber momentan eilt es mir damit nicht. Step by step, und langsam wachsen ist da meine Devise.

Wenn ich kurz mal träumen und in die weiter entfernte Zukunft schauen dürfte, dann wünsche ich mir oochi poochi als Fulltime-Job, als kleines, feines Label, das für in Österreich handgestrickte Accessoires für kuschelige Kindheitserinnerungen steht. Und vielleicht läuft mir dann jemand mit einem Schal oder Mütze aus meiner ganz ersten Kollektion über den Weg und erzählt mir, wie viele Kinder dieses oochi poochi bereits getragen haben. Das würde mich sehr glücklich machen.

Liebe Brigitte, tausend Dank, dass du die Tür zu eurer Welt für uns geöffnet hast, ich fand es ganz besonders schön und interessant, daran teilhaben zu dürfen! Alles Gute für euch und viel Erfolg für dein wunderschönes Label!

Fotos: Isabelle Flandorfer

 

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