Interview: Catrin & Lucian

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Catrin, Du bist seit 18 Monaten Mama von Lucian. Wie hat sich dein Leben seit seiner Geburt verändert? Hast du dich verändert?

Mein Leben hat sich komplett verändert. Ich war nie jemand, der so viel ausgegangen ist, aber wenn dann richtig! Das ist halt mit Kind gar nicht mehr möglich. Ich bin dann lieber zu Hause und chill mal eine Runde, als jedes Wochenende bis um drei Uhr auszugehen. Ich brauche ja dann auch wieder drei Tage, um wieder halbwegs fit zu sein. Lucian ist ein richtiger Rabauke, das würde ich mit ihm nicht schaffen. Mal spontan am Naschmarkt zu gehen, das ist halt bei uns nicht mehr drinnen. Er sitzt keine Sekunde still und es ist nicht entspannend, wenn ich dauernd rauf und runter hüpfen muss. Dementsprechend ist mein Leben komplett anders als vorher. Es hat sich aber natürlich auch zum Positiven verändert, er ist entzückend und ich möchte keine Sekunde missen, obwohl er mir auch sehr oft auf die Nerven geht. Er ist halt ein großes Spiegelbild von mir und es ist lustig, sich selbst zu sehen. Auf der anderen Seite zeigt es mir aber auch immer wieder, man sollte das Leben mehr genießen und schätzen und nicht so streng mit sich selbst sein.

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Wie organisierst du deinen Alltag? Wie schaut ein typischer Tag für euch aus?

Von Montag bis Mittwoch geht Lucian am Vormittag von 9 bis 12 Uhr in den Kindergarten, das ist sehr angenehm. Da stehen wir um 6:30 Uhr auf, bis dahin schläft Lucian mittlerweile ganz brav, dann gibt es einen kleinen Snack, dann waschen wir uns und ziehen uns an, und dann geht es in den Kindergarten. Die drei Stunden am Vormittag, die ich für mich habe, gestalte ich dann gemütlich. Einkäufe erledigen, mal eine Freundin gemütlich zum Kaffee treffen und den Haushalt in Ruhe schupfen, ohne dass ein Kind am Staubsauger draufsitzt. Wenn Lucian zu Hause ist, machen wir ganz gemütlich, gehen mal spazieren oder einkaufen. Ich bin ganz ehrlich nicht so der Frischluft-Junkie. Ich bin viel mit ihm spazieren gegangen, als er noch klein war und im Kinderwagen gelegen ist. Jetzt ist eher der Spielplatz angesagt und das macht der Papi am Wochenende. Da bin ich ganz froh, wenn ich dann ein bisschen Freizeit habe. Sonst treffen wir uns gerne mit Freunden zu großen Spielegruppen und machen Schabernack. Lucian braucht viel Entertainement, je mehr desto besser und er schläft auch besser wenn er ausgepowered ist.

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Was ist dein persönlicher Look? Was hast du während deiner Schwangerschaft getragen? Hast du Schwangerschaftsmode gekauft?

Ich denke mit Schwarz ist man immer ganz gut ausgestattet und kann wenig falsch machen. Ich habe in der Schwangerschaft gerne Leggings getragen, weil es bequem war und es hat eigentlich auch zu jedem Anlass gepasst, entweder eine Bluse oder ein Shirt drüber. Ich bin nicht die klassische Größe 36 und trage gerne weitere Sachen. Dementsprechend war auch meine Umstandsmode nicht viel anders als vorher. Ich habe aber schon viel gekauft. Den H&M habe ich teilweise leergekauft und bei Asos auch sehr viele Kleider bestellt. Ich wollte die Schwangerschaft leben! Ich wollte meinen Bauch präsentieren und es richtig ausleben, einmal schwanger zu sein. Es war mir schon wichtig, auch Umstandsmode im Kasten hängen zu haben und nicht immer das anzuhaben, was man eh die ganze Zeit trägt. Ich wollte auch nicht nur im Jogger herumgehen. Bequem muss es aber schon sein, das ist mir vor allem auch heute mit Lucian sehr wichtig. Ich habe mich lange unspektakulär angezogen, weil es mir zu blöd war, wenn er draufgespuckt hat oder mit Essen geworfen hat. Viele meiner Freundinnen ziehen sich wirklich hübsch an und tragen Seidentop oder Kaschmirpullover. Das ist mir zu schade. Das ziehe ich lieber dann an, wenn ich ihn nicht dabei habe. Dann kommt es richtig zur Geltung und ich muss mir keine Sorgen machen.

Wo kaufst du für Lucian ein? Wie ziehst du ihn am liebsten an?

H&M und Zara sind wirklich meine zwei Top-Favoriten. Petit Bateau für den Anfang als Baby. Sie klettern soviel rauf und runter, da muss es vor allem elastisch sein. Am liebsten ziehe ich ihm einen netten Body an, eine Jean und einen witzigen Pullover. Bub halt!

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Was war dein Best Buy, was konntest du gut für Lucian verwenden? Was dein Worst Buy, was hättest du nicht wirklich gebraucht?

Best Buy war sicherlich die Baby Björn Wippe. Plötzlich konnte ich mich ein bißchen freier bewegen, duschen gehen oder ihn fünf Minuten entertainen. Worst Buy habe ich glaube ich gar keinen. Ich habe sicher auch viel Blödsinn gekauft, aber irgendwie hat sich alles, auch wenn es nur für 1 oder 2 Mal war, bewährt. Ich habe viel zu viel Spielzeug gekauft, das hätte nicht sein müssen. Unter dem Motto, „Das hat ihm so gut bei einer Freundin gefallen, das muss ich auch kaufen!“ Aber wenn er nicht mehr damit spielt, dann spielen Freunde wenn sie kommen, insofern geht es sich auch wieder gut aus.

Du bist handwerklich sehr begabt, streichst Wände und Möbel um, dekorierst gerne und organisierst Abendessen mit Motto und der passenden Deko. Für unsere Kleeblatt-Runde hast du Stoffwindeln mit Kleeblatt bedruckt und liebevoll verpackt. Wirst du dieses Talent auch einmal professionell umsetzen?

Ich habe immer schon wahnsinnig gern gebastelt. Wenn eine Freundin eine Designer-Handtasche hatte, habe ich versucht sie nachzumachen, weil ich sie von meinem Taschengeld nicht kaufen konnte. Ich habe es immer schon sehr interessant gefunden, mich mit diversen Materialien zu beschäftigen und zu experimentieren. Es ist auch für mich gerade jetzt mit Kind eine Art Beschäftigungstherapie. Zum Beispiel die Abendessen mit Motto zu organisieren. Ich recherchiere dafür dann im Internet, schaue mir ein paar nette Fotos an und überlege, wie ich es selbst nachmachen könnte. Mit You Tube kann man ja Gott sei Dank viele Do-it-yourself Videos anschauen und ich probiere das dann alles aus. Es ist auch ein bißchen wie ein Job, abgesehen vom Mami-Job. Ich habe auch ein paar Ideen, etwas beruflich daraus zu machen. Von den bedruckten Stoffwindeln habe ich schon ein paar verkauft. Ich habe das aber noch nicht professionell aufgezogen, weil ich nicht glaube, dass der Markt da ist, um so eine Handarbeit professionell zu vertreiben. Aber ich habe Ideen und wenn das alles was wird, dann kann man vielleicht im Mai oder Juni schon etwas kaufen. Schauen wir mal.

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Du betreibst die Facebook-Seite MOM, eine Plattform, die Müttern Gelegenheit gibt, sich auszutauschen. Wie kam es dazu? Was hat dich bewogen MOM ins Leben zu rufen?

Ich wollte immer schon eine Facebook-Seite gründen, ich wusste nur noch nicht zu welchem Thema. Ich fand die Austauschmöglichkeit auf Facebook schon immer genial. Wenn man eine Wohnung sucht oder eine Putzfrau, auf Facebook hat man in fünf Minuten einen Kommentar der weiterhilft und es funktioniert schneller als einfach so in der Freundesrunde nachzufragen. Als in meinem Freundinnenkreis alle Kinder bekamen, haben wir eine Whats App Gruppe gegründet, in der wir uns ausgetauscht haben. Wer geht zu welchem Kinderarzt, wer lässt wann impfen etc. Ich dachte mir, wir sind eigentlich völlig unerfahren, warum holen wir uns nicht Informationen von schon ein bißchen erfahreneren Müttern holen. Wobei ich mir dachte, dass ich jetzt nicht anfangen werde immer alle anzurufen, bevor ich eine Entscheidung treffe, das muss doch irgendwie schneller gehen. Da habe ich MOM gegründet, mit der Hoffnung, dass wir vielleicht 100 Mamis sind im erweiterten Freundeskreis, die sich gut austauschen können, Erfahrungen weitergeben und sich gegenseitig helfen. Und jetzt sind wir schon soviele geworden! Es ist auch viel Arbeit geworden, aber eine Arbeit, die mir wirklich viel Spaß macht. Mein Mann Georg lacht immer über mich, wenn wir um 23 Uhr im Bett liegen, noch Anfragen reinkommen und ich schon die Posts für den nächsten Tag plane, damit ich es nicht in der Früh hektisch und gestresst machen muss und auch jede Frage beantwortet und weitergeleitet wird. Ich finde es großartig, dass alle so toll und gut darauf ansprechen. Ich bekomme teilweise private Mails von Mamis, die mir schreiben, dass sie wissen nicht was sie vorher ohne meine Seite gemacht haben. Sie finden es großartig, dass sie perfekt anonym bleiben können, trotzdem alle Beiträge lesen und sich zum Beispiel über die aktuellsten Ärzte informieren können, ohne etwas von sich preisgeben zu müssen. Eine Mami sitzt in Gramatneusiedl und schreibt mir, dass sie nichts und niemanden um sich herum hat und durch MOM ein bißchen Kontakt zur Außenwelt hat. Für mich ist es das Schönste solche Mails zu bekommen, die einfach Danke sagen.

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Auf MOM werden Themen oft kontroversiell diskutiert. Wie gehst du damit um? Wie ist es, sich plötzlich nicht mehr nur mit den besten Freundinnen auszutauschen, sondern jetzt auch mit einer mehr oder weniger unbekannten Öffentlichkeit?

Es ist extrem schwierig. Am Anfang habe ich mich darauf eingestellt, dass es vielleicht unpersönlich werden könnte. Wenn es aber dann dazukommt und mich jemand anfaucht oder mir sagt was ich posten soll, dann denk ich mir, es ist noch immer meine Seite. Ich habe sie gegründet und es ist mir überlassen, welche Themen ich anspreche. Auf der anderen Seite möchte ich natürlich eine große Zielgruppe damit erreichen. Ich möchte die Interessen von allen abdecken und natürlich auch alle zufrieden stellen, damit für jede ein Schmankerl dabei ist. Trotzdem möchte ich mein Grundprinzip, meine Einstellung, die ich zum Beispiel zu TCM habe, preisgeben. Ich weiß schon, dass viele dann sagen, “Das ist ein Blödsinn, damit kann man nichts machen, das ist alles ein Humbug!” Da ärgere ich mich dann schon. Ich schreibe das, weil ich helfen möchte. Die Leute nehmen es aber glaube ich viel zu persönlich und fühlen sich, in dem, wie sie ihre Kinder erziehen oder leben, bedroht, wenn ich zum Beispiel über die Mikrowelle oder die Banane poste, beides Dinge, denen ich sehr kritisch gegenüber stehe. Wenn es einem eh egal ist, dann braucht man ja nicht zu kommentieren. Es soll doch jeder machen wie er möchte. Aber natürlich hat auch jeder ein Recht seine Meinung kundzutun und das ist auch ok. Ich muss sicherlich lernen, besser damit umzugehen und es nicht immer so persönlich zu nehmen. Auf der anderen Seite schreiben viele schon sehr persönlich zurück und das trifft mich dann schon ab und zu.

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Glaubst du nicht, dass sich der Erfolg von MOM auch darin begründet, dass es eben verschiedene Meinungen gibt und nicht immer alle alles super finden? Dass gerade dieser kontroversielle Meinungsaustausch die Seite so interessant macht?

Aber wenn du nur noch Negatives zu sagen hast, brauchst du es in Wahrheit gar nicht mehr sagen. Da mag ich den Kommentar einer Mami, die so treffend kommentiert hat, “Meine Entscheidung, meine Konsequenz“. Jede Mutter muss sich in den Spiegel schauen können, und wenn du das mit gutem Gewissen machen kannst, wenn du meinst 8 Wochen auf die Philippinen fahren zu müssen, wo kein Krankenhaus in der Nähe ist, mit einem 8 Monate alten Kind, dann mach es bitte. Ich hoffe es wird schön und du sagst es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich würde es nicht machen! Es ist ja auch ok zu kommentieren, dass man es nicht machen würde, aber man gerne erfahren würde wie es war. Das wirklich Negative in den Kommentaren finde ich unnötig. Auch die Whiskygeschichte beim Zahnen von Lucian, als ich empfohlen habe ein Tröpfchen Whisky auf die Zahnleisten zu geben. Ich dachte ich teile etwas, das wirklich das erste Mal gut geholfen hat. Ich war so froh, dass ich etwas gefunden habe, das mir geholfen hat. Die Leute haben mich in der Luft zerfetzt. Ich sei die schlechteste Mutter, wie kann ich meinem Kind Alkohol geben. Natürlich habe ich mich dann auch gewehrt, weil ich mich in die Ecke gedrängt gefühlt habe. Ich wollte nur etwas Gutes tun, indem ich mein neues Wissen teile und ich wurde nur verurteilt. Heute kann ich schon darüber scherzen. Es ist ein Learning by Doing Prozess. Ich mache es zum ersten Mal und es kommt täglich etwas dazu, wo ich oft mit Georg diskutiere und er mir dann sagt, „Was erwartest du, du hast dich als öffentliche Person dort hingestellt, du hast alles preisgegeben von dir, die Leute erwarten von dir, dass du erstens funktionierst, zweitens lieferst und drittens ist es ihnen völlig egal, wie spät es ist oder wo du dich gerade befindest“. Ich sitze zum Beispiel bei einem netten Mädelsbrunch und alle sagen „Kannst du bitte das Handy weglegen?!“ Aber ich habe gerade fünf Anfragen bekommen, ich kann nicht! Ich versuche wirklich immer da zu sein, auch am Abend oder in der Nacht. Das Erste was ich in der Früh mache, wenn ich Lucian versorgt habe, ich schaue gleich auf MOM, ob es eine Mutter gibt, die verzweifelt, weil sie nicht weiß was sie mit ihrem Kind machen soll. Ich fühle mich mitterweile als eine Art Mutter Theresa dazu verpflichtet, allen irgendwie zu helfen.

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Wie man auf MOM verfolgen kann, legst du großen Wert auf richtige Ernährung, versuchst, dich nach TCM zu ernähren und bist sehr aufgeschlossen gegenüber Alternativmedizin. Was ist dir da besonders wichtig?

Homöopathie und Alternativmedizin kamen bei uns schon als Kinder relativ früh ins Haus, weil sich meine Mami intensiv damit beschäftigt hat. Die ersten drei Lebensjahre wurden meine Schwestern und ich vegetarisch ernährt. Bis zu einem Ereignis bei Silvia, einer Freundin meiner Mutter. Da habe ich ein Spanferkel vom Grill gerissen und den blutigen, rohen Kopf gelutscht. Silvia hat dann sofort meine Mutter angerufen mit den Worten „Du musst deinem Kind Fleisch geben!“. Das ist bis heute die Lieblingsgeschichte meiner Eltern, die sie überall erzählen. Vom Vegetarismus bin ich quasi zum Kannibalismus übergetreten. Meine Eltern haben sich immer schon relativ gesund ernährt und wir haben immer wenig Fleisch zu Hause gegessen. Ich gebe zu, dass ich mir eine Zeit lang gedacht habe, „Die Mami geht mir so auf die Nerven mit ihrer Homöopathie, das kann doch gar nicht helfen.“ Dann habe ich aber gesehen, wie sie es bei Pferden eingesetzt hat und es hat geholfen. Ein Pferd sieht nicht, dass du ihm gerade Medizin in dem Apfel versteckt hast und es hilft trotzdem. Da habe ich dann angefangen zu glauben und ich glaube auch, dass Homöopathie auf Glauben basiert. Ich denke mir, dass es das Schönste ist, wenn du dich selber heilen kannst, egal ob es ein Nebeneffekt ist oder ein Plazebo-Effekt, ohne schwere Antibiotika einwerfen zu müssen. Wenn es gar nicht anders geht, muss man sowieso einen Schulmediziner aufsuchen. Ich glaube die Mischung macht’s. Nicht gleich mit Kanonen schießen, sondern versuchen es im Vorhinein mit Homöopathie oder Alternativmedizin abzufangen. Die TCM basiert ja auf dem Gedanken, dass man nicht zum Arzt geht, um gesund zu werden, sondern um gesund zu bleiben. Sich richtig zu ernähren, sodass man erst gar nicht krank wird. Meine Mami hat die Ausbildung zur Ernährungswissenschaft by TCM gemacht und das hat natürlich abgefärbt. Sie hat eine Zeit lang nur nach TCM gekocht. Ich gebe zu, dass uns das nicht immer geschmeckt hat. Aber ich glaube, man muss einen guten Mittelweg finden. Ich bin überhaupt nicht so, dass ich nichts anderes esse und koche. Ich liebe einen guten Kaffee, ich esse auch gern mal eine Käsekrainer und ein Weißbrot dazu, und nicht immer nur Vollkorn und Bio. Ich gehe auch gerne zu Mc Donalds. Ich glaube aber, wenn du es die meiste Zeit schaffst, dich gesund zu ernähren, sind diese Ausrutscher weniger schlimm, als wenn man überhaupt keinen Wert drauflegt. Ich sehe es bei Lucian, ich habe ihn seitdem er Beikost bekommt, nur nach TCM ernährt. Er bekommt fast keinen Zucker und er ist eigentlich nie krank. Er hatte einmal einen Darmvirus und bis jetzt nur zwei kleine Schnupfen. Ich denke, dass man sehr viel präventiv machen kann. Man kann schon im Mutterleib Schaden anrichten oder eben nicht. Meine Mami hat mich in der Schwangerschaft stark begleitet. Sie hat mir ins Büro Selbstgekochtes gebracht, immer das Richtige für das jeweilige Trimester, was eben gerade für die Entwicklung des Babys wichtig war. Da hat es bei mir extrem angefangen mit TCM. Ich dachte mir, was ich jetzt mit dem Baby mache, prägt sein ganzes Leben. Ich glaube ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich alles auf TCM Basis versucht habe, um ihm einen guten Start ins Leben zu geben.

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Du schreibst auf MOM auch immer wieder sehr offen über deine Gefühle als Mutter, über Momente in denen du verzweifelt warst, geweint hast und wie du sagst, nicht du selbst warst. Du hast ganz offen darüber gesprochen depressiv zu sein. Wie bist du damit umgegangen, was hat dir geholfen und wie geht es dir jetzt?

Geholfen hat mir in erster Linie einmal das Gespräch mit meiner Hebamme, das mir vermittelt hat, dass es ok ist, dass ich nicht für meine Depression verantwortlich und schuld daran bin. Mein Vater hat immer zu mir gesagt, “Du wirkst nicht glücklich, du musst wieder glücklich werden”. Es hat mich fertig gemacht, nicht glücklich werden zu können. Dieses Unkontrollierbare, dieses etwas selbst nicht zu schaffen, war eine Katastrophe für mich. Ich dachte, das kann doch nicht so schwer sein. Alle haben gesagt, “Du wolltest immer ein Kind, jetzt sei endlich glücklich!” Es war für mich so schwierig mit Lucian klar zu kommen, weil ich nicht wußte was ich von mir will. Er hatte vier Monate wirklich arge Bauchschmerzen und ich wußte nicht, wie ich ihm helfen sollte. Er hat stundenlang geweint und geschrien und wenn er geschlafen hat, dann nur auf mir. Das war wahrscheinlich der Auslöser, den ich dann eine Zeit lang verdrängt habe und Monate später kam alles raus. Jetzt nimmt das Mamisein für mich mehr Gestalt an, wenn er auf mich draufhüpft und mir ein Bussi gibt oder durchs Babyfon Mami ruft. Ich bin schon jemand, der eine offensichtliche Zuneigung braucht und eine Bestätigung. Im Job bekommt man immer ein Feedback, als Mama bekommt man die ersten Monate überhaupt kein Feedback. Ich dachte mir, alle anderen sind so im Glück und ich bin so frustriert. Warum finden das alle so schön und ich nicht? Aber viele hatten nicht so ein arges Bauchwehkind wie ich und konnten viel mehr unternehmen. Ich habe die ersten 4 Monate, bis auf die Treffen mit meiner Mamigruppe nichts gemacht. Jedes Mal wenn ich einen schlechten Tag hatte, und geweint habe ist Lucian mir gegenüber gesessen und hat auch geweint. Das war für mich das Allerschlimmste. Ich konnte dann weder sein Weinen noch mein Weinen kontrollieren. Ich hatte  das Gefühl ich bin die schlechteste Mutter der Welt. Das Sprechen darüber hat mir aber extrem geholfen. Mit je mehr Leuten man spricht und je mehr Leute einem sagen, dass es ihnen auch so ergangen ist, desto mehr fühlt man sich verstanden und akzeptiert. Ich nehme mir jetzt nicht mehr so viel vor und versuche, mir mein Leben besser einzuteilen, damit ich am Ende des Tages nicht enttäuscht bin, wenn ich ein zu großes Pensum nicht geschafft habe. Wirklich geholfen hat mir dann Orthomol, ein Vitaminpräparat, das mir die Hebamme empfohlen hat. Das gibt dir einen richtigen Energiekick. Ich bin um 6 in der Früh aufgewacht und hab gesagt, “Passt, der Tag kann beginnen! Ich bin gesund und ich bin froh, dass es uns gut geht!” Diese positive Einstellung hat bewirkt, dass es mir wieder besser geht, dass ich wieder schöner empfinden kann. Mein Mann Georg war natürlich eine große Hilfe und hat sehr viel in dieser Zeit übernommen. Er ist oft in der Nacht aufgestanden, wenn ich nicht konnte und hat sich in der Früh um Lucian gekümmert, damit ich ein bisschen länger schlafen konnte. Das hat schon seine Wirkung getan und mir geholfen schneller gesund zu werden.

Catrin, Danke für das ausführliche Gespräch! Alles Gute für Dich und Lucian!

 

Interview & Fotos: Isabelle Flandorfer

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