Interview: Isabelle mit Filipa, Carolina & Salvador

An einem herrlich sonnigen und warmen Tag treffe ich Isabelle und ihre drei Kinder bei ihr zu Hause. Wir sitzen gemütlich auf der Terrasse, rundherum Bäume, essen Eis, Kekse und Wassermelone. Alles ist bunt und sehr geschmackvoll hergerichtet. Am Tisch stehen frische Pfingstrosen, von der Erstkommunionsfeier der Ältesten hängen noch rosa Pom Poms. Die Wohnung ist supernett eingerichtet und erstaunlich ordentlich und aufgeräumt, sogar die Kinderzimmer! Die Kinder haben eine Freundin mit dabei, lachen, blödeln und unterhalten sich sehr aufgeweckt mit mir.

Isabelle, du hast drei Kinder, Filipa (8), Carolina (5) und Salvador (2). Nebenbei bist du auch noch berufstätig. Was arbeitest du?

Ich arbeite seit 11 Jahren im ORF (Österreichischer Rundfunk), zur Zeit im Marketing der technischen Direktion. Meine Aufgabe ist das Organisieren von Events, zum Beispiel Pressekonferenzen oder Messeauftritten. Das bekannteste Produkt meiner Abteilung ist die TVthek. Mit der kann man sich alle ORF-Produktionen anschauen, die man versäumt hat. Ich arbeite momentan 20 Stunden, ab Herbst dann 25 Stunden.

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 Eine Zeit lang  hast du dich selbstständig gemacht und gemeinsam mit Freundinnen Kindermöbel verkauft. Wie waren da deine Erfahrungen?

Unser Geschäft hieß Magnolia Living, das habe ich mit einer Freundin gemeinsam gemacht. Inspiriert vom Magnolienbaum, der bei uns im Garten steht und zur Zeit der Namensfindung gerade geblüht hat. Vor 8 Jahren haben wir uns gedacht, dass es wenige nette und spezielle Sachen für Kinder gibt. Das war damals der Anfang der vielen schönen Kindergeschäfte, die in ganz Wien aufgesperrt haben. Man hat gemerkt, dass es den Müttern wichtig wird, die Zimmer ihrer Kinder exklusiv und schön einzurichten und ihre Kinder stylish anzuziehen und in schicken Kinderwägen herumzufahren. In weiterer Folge haben wir uns dann mit anderen Müttern zusammengetan und Good Friends gegründet. Die Idee war im Radl zu arbeiten, die eigenen Produkte die ganze Woche zu verkaufen, aber selbst nur 1-2 Tage im Geschäft stehen zu müssen und die Kosten des Geschäfts gemeinsam zu tragen . Wir hatten ein kleines Geschäft in der Liechtensteinstrasse und ein großes in der Taborstrasse, mit tollen Möbeln aus Spanien, die wir auf zwei Stockwerken präsentiert haben. Meine Partnerinnen und ich waren lange hochmotiviert, obwohl man sehr viel arbeitet und wenig verdient. Selbst und ständig halt. Ich habe außerdem immer, wenn ich nicht in Karenz war, im ORF gearbeitet. Irgendwann ist es einfach zu viel geworden.

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Was würdest du jemandem raten, der ähnliche Pläne wie ihr sie hattet, schmiedet?

Es gehört auf jeden Fall sehr viel Mut dazu, selbstständig zu sein. Fix angestellt zu sein ist für eine Mutter sicherlich einfacher. Wenn mir Freundinnen erzählen, dass sie sich mit der oder jener Idee selbstständig machen wollen und sogar ein Geschäft aufsperren wollen, sage ich ihnen immer, dass sie es sich gut überlegen sollen. Natürlich ist man flexibler und kann sich seine Arbeitszeiten einteilen, aber man hat das Geld nicht automatisch am Monatsanfang am Konto und man muss sehr viel für seinen Erfolg arbeiten. Wenn man nicht eine totale Marktlücke findet, ist es im Einzelhandel finde ich sehr schwierig. Für mich war es auf jeden Fall eine sehr lehrreiche Erfahrung. Trotzdem bin ich jetzt sehr happy nur als Angestellte zu arbeiten.

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Dein Mann ist Portugiese, du kommst aus Wien. Wie seid ihr euch über den Weg gelaufen?

Ich habe Nuno kennengelernt, als ich für ein Auslandssemester während meines Wirtschaftsstudiums in Lissabon war. Ich hatte seine E-mail Adresse von einem gemeinsamen Freund und habe schon in Wien mit ihm gemailt. Bei unserem ersten Blind Date im Kaffeehaus habe ich mir auf Portugiesisch einen Milchkaffee bestellt. Ich trinke gar keinen Kaffee, aber das war das einzige, das ich zu der Zeit auf Portugiesisch sagen konnte. Mein Mann ist Fotojournalist und war sehr viel unterwegs. Wir haben 6 Jahre eine Fernbeziehung gelebt und uns nur alle zwei Monate gesehen. Ich habe dann zwar ein Jahr lang in Lissabon gelebt, dort allerdings keinen Job gefunden. Mein Mann wollte damals nicht nach Wien. Irgendwie war alles sehr kompliziert und plötzlich saß ich da mit einem Ultraschallbild in der Hand! Unsere Erste, Filipa, war quasi ein „glücklicher Unfall“, der uns endlich zusammengebracht hat. Nuno ist dann zwei Tage vor unserer Hochzeit nach Wien gezogen. Dieses gemütliche Leben zu zweit haben wir also nicht sehr lange gehabt, denn drei Monate nach der Hochzeit war Filipa da. Das erste Jahr war sehr anstrengend, anstrengend mit dem Baby, anstrengend für meinen Mann, der von Null an in einem neuen Land angefangen hat.

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Wie war es dann ein zweites Kind und später noch ein Drittes zu bekommen?

Den Sprung vom ersten aufs zweite Kind habe ich am intensivsten empfunden. Zwei Kinder waren echt anstrengend, aber wahrscheinlich auch, weil ich sehr viel gearbeitet habe und selbst ständig unruhig war. Mit dem Dritten bin ich jetzt entspannt. Und wenn ich nur mit einem unterwegs bin, fühlt es sich wie Urlaub an.

Wie empfindest du den Unterschied zwischen Bub und Mädchen?

Mir haben alle immer gesagt, du wirst sehen, Buben sind viel kuscheliger und Mami fixiert, aber Salvador ist ein totaler Papi-Bub. Er konnte Nuno sagen, bevor er Mami gesagt hat. Er ist noch mehr Baby, als richtiger Bub, sodass ich nicht sagen kann, ob er so anders als die Mädchen ist. Auf jeden Fall wird er genauso viel gedrückt und geknutscht wie die Mädchen. In der Erziehung behandle ich alle gleich. Ich will, dass alle drei glückliche, selbstbewusste und höfliche Menschen werden. Momentan haben wir einen Rollentausch: Die Mädchen spielen mit Salvadors Autos und er übt Spagat und kocht in der Puppenküche . Es überwiegt also schon mehr die Frauenpower bei uns zu Hause. Der Kleine wird entweder ein Frauenversteher oder ein echter Macho.

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Wie sind deine Schwangerschaften verlaufen? Ist es dir gut gegangen, gab es Unterschiede in den drei Schwangerschaften, zuerst mit Mädchen und dann mit einem Buben?

Grundsätzlich ist es mir immer gut gegangen, nur wurde mir von Kind zu Kind leider immer schlechter. Beim ersten Kind war alles gut wenn ich etwas gegessen habe. Beim dritten war mir Tag und Nacht schlecht. Wenn ich zurückdenke, weiß ich gar nicht wie ich das geschafft habe, ich hatte ja schon zwei Kinder und es war mir wirklich 24 Stunden lang schlecht. Vom Gefühl her hätte ich nicht sagen können, ob ich einen weiblichen oder männlichen Bauchbewohner habe, außer dieses Märchen von eher runder Bauch bei Mädchen und spitzem Bauch bei Buben hat bei mir total gestimmt.

Wie hast du dich während der Schwangerschaften gekleidet? Du bist sehr schlank, hast du überhaupt Schwangerschaftssachen gekauft?

Ich habe mir überhaupt keine Schwangerschaftssachen gekauft, ich habe einfach die Hosen tiefer getragen und längere T-Shirts gekauft. Nicht weil mir Schwangerschaftssachen nicht gefallen, sondern weil ich es einfach nicht gebraucht habe. Bei Salvador’s Schwangerschaft im Hochsommer habe ich mich aber so unförmig mit meinem riesigen Bauch gefühlt, da habe ich dann, zugegebenermaßen ohne Anweisung der Hebamme, den berüchtigten Hebammen-Cocktail getrunken, weil ich es keine Sekunde länger mehr aushalten konnte. Es ist dann auch tatsächlich nach zwei Stunden losgegangen. Ich habe mich selbst schwanger nie so schön und toll gefühlt. Wenn ich jedoch schwangere Freundinnen sehe, finde ich es immer das Tollste und Unglaublichste: dieser schöne Teint, der tolle Busen und dieser Stolz, dass man gerade ein neues Leben in sich trägt.

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Wie organisierst du 3 Kinder und den Job? Wie bekommst du alles unter einen Hut?

Manchmal weiß ich auch nicht, wie ich es so organisieren kann, dass niemand zu kurz kommt. Dann denke ich an die Millionen anderen Mütter, die auch, und vor allem mehr und unter schwierigeren Umständen, arbeiten. Und es funktioniert eigentlich ganz gut. Salvador, mein Jüngster, geht seit einem Jahr zu einer Tagesmutter. Im September kommt er dann in den Kindergarten. In der Früh um 7h haben wir Wahnsinn pur, da werfe ich oft die Nerven weg. Die eine will das nicht anziehen, was ich hergerichtet habe, der Kleine klebt mir am Bein, weil er weiß, dass ich weggehe und die Mittlere wirft das ganze Frühstück runter. Aber das ist glaube ich normal so. Sobald ich im Büro sitze ist dann alles gut. Wenn ich arbeite, ist es eigentlich sehr entspannend. Man ist mit erwachsenen Menschen zusammen, man geht Mittagessen, man ist einfach in einer anderen Welt. Momentan arbeite ich zwei Tage von 8 bis 14 Uhr und einen ganzen Tag lang. Nach der Arbeit muss ich die drei Kinder von drei unterschiedlichen Plätzen abholen und dann startet erst der Stress mit Nachmittagsprogramm. Einen halben Tag zu arbeiten finde ich fast anstrengender, als einen ganzen, weil man da das Kinderprogramm nach der Arbeit auch noch machen muss. Dann kommt man nach Hause und es schaut aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Der Haushalt muss halt auch irgendwann erledigt werden.

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Was macht ihr am Nachmittag für ein Programm? Was unternehmt ihr am liebsten gemeinsam?

Ich muss sagen, ich mache nicht zu viel mit ihnen. Ich schaffe das nicht und ich finde es auch für die Kinder nicht notwendig. Jeder macht zwei Kurse, das reicht. Die Mädchen gehen in Ballett und Englisch. Ich finde sie müssen nicht alles können, was ich nicht kann. Ich möchte sie auch nicht überfordern. Wir gehen sehr viel in den Park, Eis essen, die Kinder sind sehr viel eingeladen. Ich gehe mit ihnen auch manchmal in die Stadt und mache mit ihnen Sachen, die ich gerne mache: einen Chai Latte beim Mc Donalds trinken oder irgendetwas einkaufen. Das brauch ich! Außerdem hat Filipa, die Große, im Hort schon die Hausübung gemacht, das ist schon eine Hilfe.

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Drei Kinder, Mama und Papa arbeiten beide, wie geht sich Zeit zu zweit aus?

Gute Frage! Meistens schauen wir, dass wir am Mittwoch, da habe ich frei, etwas gemeinsam machen. Wir schauen, was es neues in Wien gibt. Ein Journalist ist ja immer auf Recherche. Auch Nuno. Er zeigt mir Plätze in meiner Heimatstadt, die ich selbst noch nie gesehen haben. Ansonsten gehen wir ziemlich regelmäßig aus und treffen Freunden. Wir haben aber sicherlich zu wenig Zeit zu zweit. Am Abend ist man echt müde und hat schon den nächsten Tag vor Augen. Trotzdem ist die Zeit zu zweit so wichtig. Da merkt man erst, dass der Alltagsstress schon belastend ist und dass man sich ohne Kinderstress und dauerndem Management, als Paar so wie früher, super versteht und dann ist alles bestens.

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Die Muttersprache deines Mannes ist Portugiesisch, deine Deutsch. Was wird zu Hause gesprochen? Wachsen die Kinder mehrsprachig auf? 

Die Kinder sprechen mit mir Deutsch, mit Nuno Portugiesisch und wir Erwachsene sprechen miteinander Englisch. Schimpfwörter können die Kinder in allen Sprachen! (lacht) Ich bin immer wieder erstaunt, wie so kleine Wesen im Vorbeigehen drei Sprachen lernen können. Selbst der Kleinste spricht schon die Worte, die er kann auf Deutsch mit mir und auf Portugiesisch mit Nuno. Da haben wir Erwachsene es manchmal viel schwerer. Englisch ist nicht meine Muttersprache und ich kann mich natürlich auch nicht genauso ausdrücken, wie ich es auf Deutsch könnte. Aber wir sind dieses Sprachenwirrwarr gewöhnt und es ist teilweise lustig.

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Wie oft fahrt ihr nach Portugal, um die Familie deines Mannes zu besuchen?

Zweimal im Jahr. Einmal zu Weihnachten und einmal im Sommer. Wir wohnen dann bei den Eltern meines Mannes. Man muss zwar nicht kochen, aber man ist halt auch nie allein. Irgendwann wollen wir uns eine eigene Wohnung dort kaufen. Lissabon ist unglaublich toll! Die Portugiesen sind finde ich den Österreichern sehr ähnlich. Ein bisschen reserviert, auch ein bisschen grantig, aber sehr freundlich, wenn man sie mal näher kennengelernt hat. Als wir dort lebten hatte ich aber Heimweh. Es ist nicht so einfach in der Fremde, Freundschaften zu schließen. Über die Kinder, die ich damals noch nicht hatte, wäre es vielleicht leichter gewesen. Das rechne ich meinem Mann hoch an, dass er meinetwegen hier lebt. Aber wer weiß, wo es uns in den nächsten Jahren hin verschlägt.

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Du kennst dich, nachdem du ja selbst in der Branche gearbeitet hast, sehr gut aus in Sachen Kindermode, Einrichtung und Accessoires. Wo und was kaufst du am liebsten ein?

Ich kaufe für meine Kinder Spielzeug so ein, wie meine Kollegin und ich es auch für unser Geschäft gemacht haben. Es soll natürlich funktional, aber auch schön sein. Ich mag hochwertiges Spielzeug aus Holz, Spielzeug, das auch schön zum Anschauen ist. Den Plastikkram verstecke ich immer in den Kästen. Aber natürlich wollen die Mädchen auch Barbie und Topmodel und das bekommen sie auch.  Für’s Anziehen gebe ich ehrlicherweise immer zu viel aus. Aber ich liebe es Kindergewand zu shoppen! Hätte ich mehr Taschengeld zur Verfügung, würde ich nur Sachen von DER KLEINE SALON oder SMALLABLE kaufen. So kaufe ich bei ZARA, NEXT, und H&M. Für Salvador bekomme ich sehr viel von einer Freundin, die immer sehr süße Sachen hat, geborgt. Ich freue mich auch, wenn meine Schwiegermutter Gewand für die Kinder aus Portugal mitbringt. Es gibt dort sehr süße Geschäfte wie GOCCO, LARANJINHA oder ZIPPY.

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Mit einem Mann der Fotograf ist, hat man entweder unzählige Familienfotos oder vielleicht sogar gar keine. Wie ist es bei euch?

Siehst du irgendwo Fotos herumstehen? Wenn du ihn nicht zahlst macht er keine Fotos! (lacht) Wenn dann mache eher ich mit dem Handy und mit Instagram Fotos von den Kindern und uns. Ich klebe auch noch immer total altmodisch Fotoalben. Wir schauen uns oft zusammen Alben an. Aus meiner Kindheit und aus unseren acht gemeinsamen Jahren als Familie. Es ist so nett und lustig zu sehen, wie sich alle verändern. Und es ist total wichtig von allen schönen Momenten Erinnerungen zu haben, nach dem Motto „collect memories, not things!“

Liebe Isabelle, Danke für das interessante Gespräch und den gemütlichen Nachmittag!

Interview & Fotos:  Isabelle Flandorfer

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1 KOMMENTAR
  • momo175
    Juni 16, 2014

    Besonders nettes, informatives Interview. Das Photothema mit Photographen als Partner kenne ich nur zu gut. Habe aus 13 Jahren „Lebensabschnitt“ damals noch ohne iphone und nicht digital, kein einziges Urlaubsphoto….. :-)